Wissensgenese - Erkenntnisgewinn
Wie entsteht Wissen? Wie eignet sich ein Mensch neues Wissen an?
Mit der aktuellen, vielbeschworenen Metapher von der Wissensgesellschaft haben diese Themen dringlichen Forschungsbedarf. Die vorherrschenden Paradigmen sind auf Ihre Tragfähigkeit, zur Lösung beitragen zu können, zu überprüfen. Und der vorhandene Wissensbestand, der in diese Fragestellung hineinspielt, bedarf einer genauen Relektüre.
"Work in progress" heißt eine englische Formulierung. Derzeit kann mit Recht in Zweifel gezogen werden, ob hier die Arbeit am Thema schon begonnen hat. Ob die Arbeit am Thema überhaupt schon beginnen kann. Ob es einen gangbaren, tragfähigen Zugang zur Frage selbst schon gibt. Wie könnte ein tragfähiger Zugang aussehen?
Eine Analogie mag diese Frage verdeutlichen. Alfred Wegener formulierte erstmals die These von der Kontinental-Verschiebung. Würde er heute seine These wiederfinden? Welche Ausweitungen hat es gegeben, die heute alle damit zusammenhängen: Vulkanismus, Erdbeben, Physik des Erdinnern, ...
Wieviel Forschungsergebnisse mögen Beiträge liefern zum Thema Wissensgenese, zum Thema Erkenntnisgewinn, entstanden unter verschiedensten Paradigmen, mit Fokus auf völlig andere Fragestellungen? Wie verhält sich ein anderer Zugang, eine andere Perspektive zu diesen Ergebnissen?
Wenn es also einen Zugang zur Frage gibt, ein Zugang zur Frage gangbar gemacht wurde, die Frage des Zugangs gelöst wurde. Keine Husserlsche Illusion eines Beginns, kein Heideggerscher fundamentalontologischer Dezisionismus, die Verschiebung ist nicht mehr als die eines wiederholten Ereignisses, eine Wiederholung, Lektüre eines Zwergs auf den Schultern von Riesen, die das Buch halten, marginal verschobene Perspektive, nicht eingefordert, sondern unvermeidlich.
Unvermeidlich wie möglicherweise der Protest: der Zwerg kann gar nicht lesen. Aber das ist eine andere, spätere Frage. Die wieder auftauchen wird, unvermeidlich, unabhängig vom Zwerg möglicherweise, als Teil der Frage, als Teil des Zugangs.
Zumindest sprechen kann der Zwerg. Und die sprachliche Geste, das benutzte sprachliche Gewand kleidet den Versuch, einen Zugang zur Frage zu finden. Kleidet die Hoffnung, einen gangbaren Zugang zu finden. Und bezeichnet die Schultern eines der Riesen.